Lycium barbarum (Goji-Beeren) und natürliches Testosteron

Gojibeeren, gewonnen aus der Pflanze *Lycium barbarum*, werden in der traditionellen chinesischen Medizin seit Jahrtausenden aufgrund ihrer stärkenden Eigenschaften, insbesondere zur Steigerung der sexuellen Vitalität und Fruchtbarkeit, konsumiert. Sie werden häufig als „natürlicher Testosteron-Booster“ angepriesen. Dieser Artikel untersucht die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Gojibeeren (oder deren Extrakten) und dem Testosteronspiegel und unterscheidet dabei zwischen präklinischen (Tier-)Studien und klinischen Daten am Menschen. Wir stützen uns ausschließlich auf veröffentlichte Studien, um Fehlinformationen zu vermeiden. Wichtiger Hinweis: Entgegen mancher weit verbreiteter Behauptungen, Gojibeeren würden den Testosteronspiegel beim Menschen bei regelmäßigem Verzehr direkt und signifikant erhöhen, fehlen hierzu aussagekräftige wissenschaftliche Belege. Die beobachteten Effekte sind primär schützend oder regenerierend in Stress- oder Mangelmodellen und stammen größtenteils aus Tierstudien. Es gibt keine eindeutigen Beweise für eine „steigernde“ Wirkung bei gesunden Menschen.

Was ist *Lycium barbarum*? Lycium barbarum, allgemein bekannt als Goji-Beere oder Wolfsbeere, ist ein in Asien beheimateter Strauch, dessen getrocknete rote Früchte reich an Polysacchariden (LBP), Flavonoiden, Carotinoiden (wie Zeaxanthin) und anderen antioxidativen Verbindungen sind. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden diese Beeren zur Stärkung des Qi, zur Blutbildung, zum Schutz von Leber und Nieren sowie zur Verbesserung der Fortpflanzungsfähigkeit eingesetzt.

Die wichtigsten Wirkstoffe, die für die potenziellen Auswirkungen auf die reproduktive Gesundheit verantwortlich sind, sind die Polysaccharide von Lycium barbarum (LBP), die antioxidative, entzündungshemmende und immunmodulierende Eigenschaften besitzen. Auswirkungen auf den Testosteronspiegel: Was Tierstudien sagen

Die meisten Forschungsergebnisse, die einen positiven Zusammenhang mit Testosteron belegen, stammen aus Studien an Tiermodellen, häufig im Kontext von oxidativem Stress, Späthypogonadismus oder Toxizität: Bei gealterten Ratten mit Späthypogonadismus (LOH) erhöhten Goji-Extrakte (Lycium chinense, eine eng verwandte Art) den Serumtestosteronspiegel, verbesserten die Spermienanzahl und -motilität und reduzierten den oxidativen Stress in den Hoden.LBPs schützten die Hoden vor Toxinen wie Doxorubicin und Strahlung, stellten den Testosteronspiegel wieder her und milderten oxidative Schäden.

In Maus- und Rattenmodellen für Diabetes und Adipositas verbesserten LBPs die Hodenfunktion, erhöhten den Testosteronspiegel und reduzierten Entzündungen. Ein aus Lycium barbarum isoliertes Glykopeptid förderte die Testosteronsynthese in Leydig-Zellen in vitro und in vivo durch die Regulation von Signalwegen wie TGF-β. Diese Studien legen nahe, dass Goji-Inhaltsstoffe die Testosteronproduktion schützen, indem sie oxidativen Stress und Zelltod (Apoptose) reduzieren, anstatt bei gesunden Probanden eine direkte stimulierende Wirkung zu haben.

Evidenz beim Menschen: begrenzt und indirekt. Randomisierte klinische Studien am Menschen sind selten und belegen keinen direkten Anstieg des Testosteronspiegels: Bisher konnte in keiner Studie ein signifikanter Anstieg des Testosteronspiegels bei gesunden Männern nachgewiesen werden, die Goji-Beeren oder standardisierten Saft konsumierten.

  • In einer kürzlich durchgeführten Studie an Patienten mit Varikozele (einer mit Unfruchtbarkeit verbundenen Venenerkrankung des Hodensacks) wurde ein Extrakt aus LBP getestet: Obwohl Verbesserungen hinsichtlich oxidativem Stress und Spermienparametern beobachtet wurden, veränderten sich die Testosteronwerte nicht signifikant (sie waren zwar messbar, aber nicht merklich erhöht).Studien zum allgemeinen Wohlbefinden (Goji-Saft) berichten von einer subjektiven Verbesserung der Vitalität, jedoch ohne spezifische Hormonmessungen.
  • Behauptungen über eine aphrodisierende Wirkung oder gesteigerte Libido beruhen oft auf Tradition und indirekten Effekten (mehr Energie, weniger Stress) anstatt auf einem messbaren Anstieg des Testosteronspiegels.
  • Mögliche Wirkmechanismen Die in Tiermodellen beobachteten Effekte umfassen: Reduzierung von oxidativem Stress (erhöhte SOD-Aktivität, reduziertes Malondialdehyd).

Schutz der Leydig-Zellen (testosteronproduzierende Zellen).

Modulation von Signalwegen wie PI3K/Akt oder TGF-β zur Förderung der Steroidogenese.

Diese Mechanismen könnten bei alters-, stress- oder krankheitsbedingten Mangelerscheinungen von Vorteil sein, jedoch nicht unbedingt bei gesunden Menschen.

  • Vorsichtsmaßnahmen und Verzehr
  • Goji-Beeren sind im Allgemeinen unbedenklich für den täglichen Verzehr (20–30 g). Sie können Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien (Warfarin) oder Blutdruckmedikamenten hervorrufen. Konsultieren Sie einen Arzt, wenn Sie diese Medikamente einnehmen, schwanger sind oder eine Allergie haben.

Studien zu möglichen Auswirkungen auf die reproduktive Gesundheit verwenden häufig konzentrierte LBP-Extrakte, die nicht dem regelmäßigen Verzehr getrockneter Beeren entsprechen.

Fazit

  • Lycium chinense besitzt nachweislich antioxidative und schützende Eigenschaften, insbesondere in Tiermodellen mit Testosteronmangel. Es kann helfen, die Fortpflanzungsfähigkeit bei oxidativem Stress oder im Alter zu erhalten. Allerdings gibt es keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege dafür, dass es den Testosteronspiegel bei gesunden Menschen auf natürliche Weise erhöht. Marketingaussagen zu einem „natürlichen Testosteron-Booster“ sind übertrieben und werden nicht durch aussagekräftige klinische Studien gestützt. Eine Ernährung reich an Antioxidantien ist weiterhin vorteilhaft, bei hormonellen Problemen sollten Sie jedoch einen Arzt konsultieren.
  • Wissenschaftliche Referenzen:

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Aging Male

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Liang J, et al. „Lycium barbarum-Glykopeptid fördert die Testosteronsynthese und den Glukosestoffwechsel in den Leydig-Zellen des Hodens.“

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