Astragalus (Huang Qi): Stärkt das Immunsystem

Astragalus, eine Pflanze mit dem poetischen Namen Huang Qi, was auf Chinesisch „gelbe Energie“ bedeutet, ist seit Jahrhunderten ein Eckpfeiler der traditionellen asiatischen Medizin. Doch was sagt die moderne Wissenschaft jenseits der überlieferten Traditionen über diese verehrte Wurzel? Labore weltweit erforschen seit Jahrzehnten ihre immunstimulierenden Eigenschaften, und die Ergebnisse sind besonders vielversprechend.

Polysaccharide, die Immunzellen stimulieren

Der Schlüssel zu den immunstimulierenden Eigenschaften von Astragalus liegt in seinen Polysacchariden, den langen Ketten komplexer Zucker, die seine wichtigsten Wirkstoffe darstellen. Eine systematische Übersichtsarbeit, die 2022 in den Archives of Pharmacal Research veröffentlicht wurde, fasste die gesamte Forschung zu diesem Thema zusammen. Forscher zeigten, dass Astragalus-Polysaccharide verschiedene Arten von Immunzellen direkt aktivieren: Makrophagen, natürliche Killerzellen, dendritische Zellen, T-Lymphozyten und B-Lymphozyten. Eine 2012 in der Fachzeitschrift Molecules veröffentlichte Studie analysierte den Wirkmechanismus detailliert. Wissenschaftler haben entdeckt, dass Astragalus-Extrakt die Heparanase-Aktivität in Makrophagen erhöht. Dieses Enzym fördert die Zellmigration und die Freisetzung von Immunmediatoren wie Interleukin-1β und Tumornekrosefaktor α. Diese Botenstoffe mobilisieren das gesamte Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern.

Ein messbarer Effekt auf T-Lymphozyten.

Die Wirkung von Astragalus auf T-Lymphozyten, die Abwehrzellen unseres Immunsystems, wurde umfassend untersucht. Eine 2023 in Complementary Medicine Research veröffentlichte Metaanalyse fasste 19 klinische Studien mit 1.094 Teilnehmern zusammen. Die Ergebnisse bestätigen, dass Astragalus die Anzahl der CD3-Zellen signifikant erhöht und das CD4/CD8-Verhältnis verbessert – zwei wichtige Marker der Immunfunktion.

In einer randomisierten, kontrollierten Studie mit der polnischen Rudernationalmannschaft aus dem Jahr 2021 wurden die Auswirkungen einer Astragalus-Supplementierung während intensiven Trainings untersucht. Zehn Athleten erhielten sechs Wochen lang täglich 500 Milligramm Astragaluswurzelextrakt, acht weitere Athleten erhielten ein Placebo. Die im Journal of the International Society of Sports Nutrition veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe mit der Astragalus-Supplementierung nach dem Training ein besseres Gleichgewicht zwischen regulatorischen und zytotoxischen T-Lymphozyten aufwies, während die Placebo-Gruppe einen deutlichen Abfall verzeichnete.

Schutz während der Chemotherapie

Eine der am besten dokumentierten Anwendungen von Astragalus betrifft seine schützende Wirkung während der Krebsbehandlung. Eine chinesische klinische Studie mit 120 Patienten mit bösartigen Tumoren zeigte, dass die intravenöse Gabe von Astragalus zusätzlich zur Chemotherapie den Abfall der weißen Blutkörperchen und Blutplättchen – wichtige Nebenwirkungen dieser aggressiven Behandlungen – deutlich verringert.

Eine 2016 im „American Journal of Chinese Medicine“ veröffentlichte Studie beschreibt detailliert, wie Astragalus-Polysaccharide und -Saponine Signalwege in Krebszellen modulieren und gleichzeitig das Immunsystem stärken. Wissenschaftler beobachteten, dass Astragalus die durch Immunsuppressiva und Chemotherapeutika hervorgerufene Toxizität reduziert und so die Verträglichkeit der Behandlungen verbessert.

Eine weitere Studie an Mäusen mit Lungentumoren zeigte, dass die Kombination von Astragalus-Polysacchariden mit anderen Verbindungen den Thymus- und Milzindex sowie das CD4/CD8-Verhältnis deutlich verbessert und die Konzentrationen von Anti-Tumor-Zytokinen wie Interferon-gamma und Interleukin-2 erhöht.

Astragalus wirkt zudem als Entzündungsmodulator und stimuliert das Immunsystem auf intelligente Weise. Eine 2012 im „International Journal of Molecular Sciences“ veröffentlichte Studie belegte, dass Astragalus Entzündungen in stimulierten Makrophagen über die Phospho-P38-MAPK- und NF-κB-Signalwege hemmt. Diese regulierende Wirkung verhindert eine unkontrollierte Entzündungsreaktion und erhält gleichzeitig eine effektive Immunantwort aufrecht.

Eine 2015 in „Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine“ veröffentlichte Studie an septischen Mäusen zeigte, dass Astragalus-Polysaccharide die Populationen von Helfer- und regulatorischen T-Zellen in Milz und Peyer-Plaques des Darms – beides wichtige Bereiche des Immunsystems – erhalten. Die Forscher beobachteten eine verbesserte Zellaktivierung bei Dosen von 200 und 400 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Ergebnisse zu Asthma und Allergien

Astragalus zeigt auch vielversprechende Wirkungen bei chronischen Entzündungskrankheiten. Eine 2014 in „Biochemistry and Biophysics Reports“ veröffentlichte Studie nutzte ein Mausmodell für Ovalbumin-induziertes Asthma. Wissenschaftler stellten fest, dass die Verabreichung von Astragalus den Serum-IgE-Spiegel senkte, die Anzahl der Eosinophilen verringerte und die Infiltration von Entzündungszellen in die Lunge reduzierte. Auch die RNA- und Proteinspiegel von Th2-Zytokinen sanken, während Astragalus den PPARγ-Rezeptor aktivierte, der an der Immunregulation beteiligt ist.

Eine neuere Studie, die im Februar 2025 in „Preventive Nutrition and Food Science“ veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirkung von Astragalusblattextrakt auf allergische Reaktionen in Immunzelllinien. Die Ergebnisse zeigen eine Unterdrückung der Histamin- und Leukotrien-B4-Freisetzung durch stimulierte Mastzellen sowie eine Reduktion von Stickstoffmonoxid und proinflammatorischen Zytokinen in Makrophagen.

Aktivierung dendritischer Zellen

Dendritische Zellen fungieren als Wächterzellen, indem sie Antigene aufnehmen und sie T-Lymphozyten präsentieren, um die Immunantwort auszulösen. Mehrere Studien belegen, dass Astragalus-Polysaccharide die Reifung dieser wichtigen Zellen beschleunigen. In Mausmodellen, die einen DNA-Impfstoff gegen Hepatitis B erhielten, erhöhte Astragalus als Adjuvans in einer Dosis von 500 Mikrogramm pro Maus die Expression der Moleküle MHC I, MHC II, CD40, CD80 und CD86 auf der Oberfläche dendritischer Zellen signifikant.


Diese Reifungsmarker deuten darauf hin, dass dendritische Zellen Antigene effizienter präsentieren und zytotoxische T-Lymphozyten aktivieren können, wodurch die adaptive Immunantwort gestärkt wird.

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