Chinesische Süßholzwurzel (Gan Cao): nachgewiesene entzündungshemmende Eigenschaften

Chinesische Süßholzwurzel (Gan Cao): nachgewiesene entzündungshemmende Eigenschaften

Chinesische Süßholzwurzel, in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als Gan Cao bekannt und botanisch Glycyrrhiza uralensis Fisch. (Familie der Hülsenfrüchtler) zugeordnet, ist eine mehrjährige Pflanze, deren Wurzeln und Rhizome seit über zwei Jahrtausenden aufgrund ihrer therapeutischen Eigenschaften verwendet werden. In der TCM zählt Gan Cao zu den Pflanzen, die das Qi stärken, Rezepturen harmonisieren, Krämpfe lindern und Entzündungen reduzieren. Moderne pharmakologische Forschung hat diese empirischen Anwendungen bestätigt und signifikante entzündungshemmende Wirkungen nachgewiesen, die durch verschiedene Klassen bioaktiver Verbindungen und gut charakterisierte molekulare Mechanismen vermittelt werden. Bioaktive Verbindungen mit entzündungshemmender Wirkung

Die Hauptbestandteile, die für diese Eigenschaften verantwortlich sind, sind Glycyrrhizin (oder Glycyrrhizinsäure), ein wichtiges Triterpensaponin, das 2 bis 15 % des Trockengewichts der Pflanze ausmacht, sowie dessen aktiver Metabolit (18β-Glycyrrhetinsäure). Die Pflanze enthält zudem eine große Vielfalt an Flavonoiden, darunter Liquiritigenin, Isoliquiritigenin, Glabridin und Licochalcon. Polysaccharide unterschiedlicher Molekulargewichte ergänzen dieses phytochemische Profil und tragen zu immunmodulatorischen Aktivitäten bei.

Entzündungshemmende Wirkmechanismen

Die entzündungshemmende Wirkung von Glycyrrhiza uralensis wird über mehrere wichtige Signalwege vermittelt. Glycyrrhizin und seine Derivate hemmen die Phospholipase A2, wodurch die Freisetzung von Arachidonsäure und folglich die Synthese von Prostaglandinen und Leukotrienen reduziert wird. Sie unterdrücken außerdem die Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-κB und verringern so die Expression von proinflammatorischen Zytokinen wie TNF-α und IL-6 sowie von Mediatoren wie Stickstoffmonoxid (NO) und Prostaglandin E2 (PGE2). Studien an Zellmodellen (RAW264.7-Makrophagen, stimuliert durch Lipopolysaccharid) zeigten eine dosisabhängige Hemmung dieser Entzündungsmarker. Darüber hinaus modulieren Gan-Cao-Extrakte den NOD2/RIP2/NF-κB-Signalweg, der an intestinalen Entzündungsreaktionen beteiligt ist, und hemmen den MAPK/ERK-Signalweg in Modellen für entzündliche Schmerzen. Flavonoide, insbesondere Licochalcon, blockieren die Expression von Matrix-Metalloproteinasen (MMP-1, MMP-3, MMP-13) und Zelladhäsionsmolekülen in durch IL-1β stimulierten Chondrozyten. Polysaccharide ihrerseits stimulieren die IL-7-Expression und fördern die Lymphozytenproliferation, wodurch die immunmodulatorische Gesamtwirkung verstärkt wird.

Ergebnisse präklinischer Studien

In einem Rattenmodell der durch Trinitrobenzolsulfonsäure (TNBS) induzierten Colitis ulcerosa reduzierte die Verabreichung eines wässrigen Extrakts aus

G. uralensis makroskopische und histologische Läsionen sowie Entzündungsmarker signifikant durch Regulation des NOD2/RIP2/NF-κB-Signalwegs.

Eine Studie an einem Mausmodell für durch Essigsäure induzierten akuten Entzündungsschmerz zeigte, dass ein niedrig dosiertes isoliertes Protein aus Gan Cao nozizeptive Reaktionen um mehr als 70 % hemmte, indem es Zytokine modulierte und die Prostaglandinsynthese durch Hemmung des MAPK/ERK-Signalwegs unterdrückte.

Studien zu niedermolekularen Polysacchariden zeigten antiproliferative Aktivität gegen Darmkrebszelllinien bei gleichzeitiger Stimulation gesunder Darmepithelzellen mit signifikanter Hochregulation von IL-7.

Systematische Übersichtsarbeiten von über 90 Studien kamen schließlich zu dem Schluss, dass Süßholzextrakte eine starke entzündungshemmende Wirkung besitzen, was ihre traditionelle Anwendung bei chronischen Entzündungskrankheiten erklärt.

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Obwohl Glycyrrhizin positive Eigenschaften besitzt, kann es in hohen oder längerfristigen Dosen (> 50 mg/Tag) zu Pseudoaldosteronismus (Bluthochdruck, Hypokaliämie, Natrium- und Wasserretention) führen. Wechselwirkungen mit Kortikosteroiden und Diuretika sind möglich. Entglycyrrhizinierte Präparate behalten einen Teil der entzündungshemmenden Wirkung bei und minimieren gleichzeitig diese Risiken.

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